haben gebrauchsgüter verfallsdaten? oder: die welt fällt auseinander

Was ist bloss los mit den Brise-One-Touch-Dispensern? Damit wir alle über dasselbe meckern: Ich meine die 0815-pffft-Dinger, die man mit einem kleinen, mitgelieferten Stück doppelseitigen Klebebandes an die Wand peppt. Bin ich die einzige, die nach spätestens zwei Monaten regelmässig in der eigenen Wohnung erschrickt, weil der Dispenser klappernd zu Boden fällt? Und sich fragt, wieso der Kleber nichts für seine Daseinsberechtigung tut? Und das Ding dann trotzdem und wider besseren Wissens erneut auf den Kleber drückt und hofft, dass es diesmal hält? Was es natürlich nicht tut, ist ja klar.

Und das beschränkt sich leider nicht nur auf Brise. Wieso werden heute in Gebrauchsgüter wie Drucker, Mobiltelefone und alles, was ein paar Jahre halten sollte, Verfallsdaten eingebaut? Und wieso bekomme ich trotzdem eine Garantie für 24 Monate auf mein neues Sony Ericsson, wenn es doch nach spätestes anderthalb Jahren eine eigene Persönlichkeit entwickelt und sich trotzig wehrt, wenn ich telefonieren oder eine SMS verschicken will? Sicher hat jeder von euch in einem Anfall von jugendlichem Leichtsinn schonmal ein Natel zur Reparatur einschicken lassen. Die meisten entscheiden sich jedoch beim zweiten Mal dagegen, weil es günstiger und vor allem nervenfreundlicher ist, sich ein neues Telefon zu kaufen, als monatelang verlorenen Telefonnummern, Infos und Fotos nachzurennen, die bei der Reparatur vom Telefon gelöscht wurden.

Wenn ich mich mit etwas angefreundet und das käuflich erworben habe, dann möchte ich das doch nicht gleich wieder loswerden … Oder Möbel, was ist heute mit den Möbeln los? Einmal für einen Umzug auseinandergeschraubt, ist das Regal beim Einzug todsicher verzogen, hat Kratzer oder Beulen drin und klappert noch, nachdem die Schrauben soweit reingedreht wurden, dass sie schon fast wieder auf der anderen Seite herauskommen. Und sagt mir jetzt bloss nicht, dass ich bestimmt von Ikea-Möbeln spreche – nein, auch teurere Möbel kränkeln genauso schnell. Dabei verlange ich ja nicht einmal Massivholzmöbel, bei denen man Angst haben muss, dass die Statik nicht mitmacht und das Bücherregal mitsamt Inhalt beim Nachbarn unten im Schlafzimmer landet …

Da lob ich mir meinen Dad. Ja, ich habe einen Dad, der noch gelernt hat, mit Werkzeug umzugehen und der sogar eigenhändig ein Haus bauen könnte, wenn er das wollte. Er liebt es, zu schreinern, zu planen, mit seinen Händen zu schaffen. Und das nicht einfach mal so schnellschnell-Pi-mal-Handgelenk – nee Leute, wenn was gemacht wird, dann richtig. So ein Möbel made by Dad übersteht mindestens noch den nächsten Atomkrieg! Da werden noch richtige Holzplatten verarbeitet, komplett mit Dübeln, Schrauben, Nut und Feder und Nägeln – das volle Programm eben. Die Rückwand eines Regals wird nicht einfach mit sechs Nägeln befestigt nach dem Motto der Superheimwerker aus dem Fernsehen: “Das passt schon, Hauptsache man sieht von vorne nicht die Wand. Und wenn da ein Nagel fehlt, ist das nicht so tragisch, wir stellens ja an die Wand, das hält bestimmt.” Nein, in so eine Rückwand gehört alle 10-20 cm ein Nagel, das verleiht Stabilität und übersteht auch ein Erdbeben. Und wenn die Hütte zu Staub zerfällt; das Regal steht aufrecht wie die Frisur aus der Drei-Wetter-Taft-Werbung, wo das Model von einer Flugzeugturbine angefönt wird.
Ein Regal von meinem Vater besteht zu 85% aus vernünftigen, stabilen Holzplatten, auf die er als Privatkunde wohl mittlerweile schon denselben Rabatt erhält wie der Dorfschreiner zum 50-Jahr-Jubiläum, sowie zu 15% aus Schrauben, die das Ganze so fest zusammenhalten, dass es wohl auch beim Umzug von der Hebebühne vier Stockwerke in die Tiefe stürzen könnte, ohne dass es auch nur einen Millimeter verzogen wäre. Aber das ist auch gut so – wo kämen wir denn da hin, wenn der Kleiderschrank beim Öffnen der Türe in sich zusammenklappen würde wie ein Kartenhaus?
So etwas würde die Ehre meines Vaters natürlich nicht zulassen, deshalb lieber eine Schraube mehr reindrehen. Natürlich geht dies alles höchst professionell vonstatten, mit einem Werkraum voll Werkzeuge, die alle in selbst gemachten Regalen, Schubladen und Schränken untergebracht sind. Und wenn eine Maschine zu teuer ist, wird eben im Internet recherchiert und selbst gebastelt – wieso auch nicht? Bei Frankenstein hats ja auch funktioniert.
Natürlich kann auch einem Profi einmal ein Missgeschick passieren. Jahrzehntelange Erfahrung können schonmal bewirken, dass man die Deckung etwas vernachlässigt. Aber das steckt so ein Dad locker weg, er ist ja keine Heulsuse. Ein cooler Spruch und die Sache ist erledigt. Wie früher, als wir noch Kinder waren: Wenn da jemand seinen ganzen nackten Arm in einen Brennnesselstrauch gesteckt hat, lächelte man einfach und sagte: “Hat nicht weh getan, hab ich extra gemacht.” Die abertausende von Pusteln und Blasen, die sich gleich darauf bildeten, ignorierte man so lange, bis man behaupten konnte, etwas zu Hause vergessen zu haben und seine Mom um ein halbes Kilo Salbe bitten konnte.
Und so hat auch mein Dad nicht mit der Wimper gezuckt, als er mein Kinderzimmer renoviert hat und sich beim Aussägen einer Aussparung aus einem Vierkantholz (“Dad, willst du das nicht lieber in den Schraubstock spannen?” – “Nein, das geht so schneller, kein Problem.”) mit der Sägeblattschraube der Stichsäge kurz mal zwei oder drei Millimeter Haut vom Daumen schabte. Bei so viel fehlender Haut und so gut durchblutetem Gewebe könnt ihr euch vorstellen, wie schnell das Blut zu tropfen begann. Ich gleich geistesgegenwärtig: “Halt den Daumen übers Spülbecken!”, aber er sah mich nur an, schüttelte den Daumen ein paarmal, um das Blut loszuwerden und meinte dann ganz gelassen: “Ich seh gar nichts, ist wohl nicht so schlimm.” Was sagt man zu jemandem, der sogar Rambo noch das Weinen lehren könnte? Nicht viel, ausser: “Dad, jetzt geh ins Bad und halt deinen Daumen über die Spüle, du verteilst dein Blut im ganzen Zimmer! Und dieser Hautfetzen, der da von deinem Daumen absteht, sieht nicht aus als würde ein Pflaster ausreichen.” Irgendwann hat er dann doch noch auf mich gehört und nachdem der Daumen gesäubert und eingebunden war, haben wir uns mein Zimmer angesehen: Er hatte das Blut auf den Boden, die Decke, drei Wände und die geöffnete Zimmertür verteilt. Noch Monate später habe ich Blutstropfen an Türrahmen und Wänden gefunden, die wir beim Putzen übersehen hatten. Gil Grissom hätte seine Freude daran gehabt. Aber da der nicht da war, machten wir weiter mit Renovieren, ich mit zehn Fingern, er mit neun, der dick eingebundene Daumen hatte Pause.

Aber das nur so nebenbei – ich will doch nur wissen, wieso nichts länger funktioniert als ein-paarmal-benutzen, wieso die Welt auseinanderfällt … Wenn das so weiter geht, stehen wir bald da wie die Leute aus dem Imagespot der deutschen Handwerker: nackt, mit langen Bärten (zumindest eine Hälfte der Bevölkerung), ohne Staubsauger, Feuer oder Gartenhütte. Tatsächlich stehen nur noch mein Dad und ein paar weitere tapfere Kämpferinnen und Kämpfer für Qualität zwischen unserem heutigen Lebensstandard und der Welt als eingefallener Bretterbude, nachdem der Wolf gepustet hat.

Aber noch habe ich ja meine Geheimwaffe Dad, der wird mir beim nächsten Besuch den Brise-pffft an die Wand schrauben, damit er sich nicht mehr bewegen kann – ich kauf doch nicht alle zwei Monate einen neuen!

hacker oder: gebt mir ritalin! | jobsuche vol. 2

Was zu können, das sonst nicht viele können, ist doch cool. Da würde sich doch glatt Hacker als Traumjob anbieten. Ein Hacker weiss wahnsinnig viel über Computer, Viren, Bits & Bytes, Elektronik, Netzwerke und wasweissichnichtalles. Dadurch halten ihn manche für einen langweiligen Nerd, andere für einen Rebellen und Helden.
Wer kennt den Film “Hackers – im Netz des FBI”, der Mitte der 90er Jahre rauskam? So uncool waren die doch gar nicht. Ausserdem hat Angelina Jolie mitgespielt und die ist nun wirklich kein Geek, oder muss ich erst ne Umfrage unter den 25-90-Jährigen machen? Sie kleiden sich wie sie wollen, kennen sich furchtbar gut aus mit Computern und wollen im Grunde doch eigentlich nur spielen. Und im Zuge ihrer Wette wachsen einige über sich selbst hinaus. Dass dabei auch mal ein FBI-Agent ins virtuelle Kreuzfeuer gerät, kann schon mal passieren, was bedrängt und bedroht er sie denn auch?! Ich stell mich doch auch nicht vor einen Dobermann und fitze ihm mit der Rute voll eins auf die Nase, wenn ich nicht genauso grosse Zähne habe wie er.

Früher waren Hacker ja hauptsächlich auf Spass und/oder Chaos aus, okay, manche von ihnen auch auf Zerstörung. Aber ich kann die Beweggründe des einen oder anderen auch nachvollziehen, wenn er sich beim Steueramt oder der Kabelfernseh-Behörde einhackt, weil er doch schon vor Wochen seinen Umzug gemeldet hat und die es auch nach dem fünften Anlauf nicht geschafft haben, ihre Unterlagen korrekt zu ändern und den Discovery Channel endlich freizuschalten. Da kann schonmal Unmut aufkommen und auch beim Geduldigsten fängt irgendwann das Auge an zu zucken, ohne dass er das eigentlich will. Wenn einem dann die Finger ausrutschen und man versehentlich Gratis-Kabelfernsehen für alle Nachbarn im Umkreis von 500 km einrichtet oder die Schulden von Afrika löscht, ist das ja auch kein Weltuntergang.
Und soweit ich mitbekommen habe, hat kein Hacker während des kalten Krieges die Kontrolle über eine Atomrakete erlangt und diese auf Mickey oder Pluto gerichtet – oder gar den Schrebergarten des Zaren oder den Minigolfplatz des Amerikanischen Präsidenten. Wobei, wenn ichs mir recht überlege, hätte ich das wohl auch nie erfahren. Wäre überhaupt etwas davon an die breite Öffentlichkeit gelangt, wäre wohl wieder ein Wetterballon schuld gewesen. Bedenkt man, wessen die schon beschuldigt wurden, müssten sie doch mittlerweile auch eigene Pläne zur Übernahme der Weltherrschaft haben oder zumindest Dauerkarten für Psychologen und Selbsthilfegruppen … Aber ich schweife ab: Worauf ich eigentlich hinauswollte, ist vielmehr die Tatsache, dass Hacker ja auch nett sein können. Zum Beispiel die, die Banken und staatlichen Behörden helfen, ihre Netzwerke, Archive und Kommunikation sicherer zu machen und so vor den bösen Hackern oder den Russen zu schützen.

Für mich selbst könnte ich mir sowohl die Robin-Hood-Nummer gegen die Kabelfernseh-Behörden und alle anderen, die den Ottonormalverschwender kostbare Nerven kosten, vorstellen als auch die Batman-Nummer für Behörden, um sich vor all dem Bösen zu schützen, das schon vor der virtuellen Haustür lauert. Allerdings nur so lange, bis ich auf Leichen im Keller stossen würde. Das könnte dann peinlich für meine Auftraggeber werden, da mir Ehrlichkeit und Gerechtigkeit wichtiger sind als ein geregeltes Einkommen. Manchmal muss man eben ein Stück persönliche Freiheit – wie die Möglichkeit, zu Hause und in farblich nicht zusammen passenden Socken zu arbeiten – opfern, um die Welt für alle ein kleines bisschen besser zu machen.

Allerdings gäbe es auch bei diesem Traumjob die eine oder andere Hürde, die zu bezwingen wäre. Wie zum Beispiel die, dass ich keine Ahnung von Computern habe. Ich bin gerade umgezogen und brauchte drei Wochen, bis ich wieder mit der Aussenwelt vernetzt war – memo an mich selbst: unbedingt meinen Provider über die Kabelfernseh-Behörde auf die Liste setzen, für den Fall, dass das doch noch was wird …
Das Internet-Problem habe ich zwar unterdessen mit Hilfe meiner sturen Boshaftigkeit, einem dutzend Anrufen bei Provider, Hausverwaltung, Vormietern und Telefongesellschaft sowie einem Elektriker (der auch nochmal beim Provider anrufen musste, weil man mir die falschen Infos gegeben hatte) gelöst, doch damit mir nicht langweilig wird, habe ich mir eine neues besorgt. Ich hab nämlich mal gelesen, dass das Gehirn offener für Alzheimer ist, wenn man es nicht regelmässig fordert und trainiert. Ohne einen Nintendo DS wird das mit Dr. Hiroshimas Gehirnjogging etwas schwierig, also hab ich mir kurzerhand was eigenes zusammengestellt: Schliesse einen neuen (alten) Drucker an deinen Computer an und bringe ihn zum Drucken.

Ich weiss, die Hälfte von euch fragt sich jetzt, wie ich überhaupt einen Blog einrichten konnte, wenn ich nicht mal das schaffe, aber das hab ich wirklich ganz alleine geschafft. Und ich hab auch nur Schuhe, die man schnüren muss, Klettverschlüsse brauche ich nicht mehr. Also kann ich ja nicht ganz unfähig sein – rede ich mir immer wieder ein. Offenbar findet das aber der Uralt-Laserdrucker meines Dads nicht, den ich bekommen habe. Bis jetzt funktionierten immer alle Peripheriegeräte bei mir per Plug & Play: einstöpseln und los gehts, hui! Ich musste noch nichtmal Treiber installieren, weil ein Apfel sowas einfach kann. Offenbar gilt das aber nicht für Geräte, die halb so alt sind wie ich (also mehr als 10-jährig). Ich hab gestöpselt und wollten spielen – aber der Drucker wollte nicht *Unterlippevorschieb*. Also Stirn gerunzelt, den zielstrebigen Blick auf die nächste Hürde gerichtet, Hände und Knie für einen schnelleren Start auf den Boden, dann das Hinterteil und die Knie langsam etwas nach oben bewegt und blitzschnell losgerannt. Kurz nach dem Start verlor ich kurzfristig die Orientierung, denn das erste Fenster, das ich öffnete, bot zu wenig Optionen, um das Problem zu lösen, aber die Konzentration kam zurück und ich beschleunigte meinen Sprint noch etwas. Die Hürde kam immer näher und ich fand in einer Ecke meiner seelischen Abstellkammer noch einen halben Liter Optimismus, der vom Internet-Wohnungswechsel übrig geblieben war. Sofort schüttete ich mir das Zeug rein, aber beim Rennen ist das gar nicht so einfach, deshalb landete die Hälfte in meinem Gesicht und auf dem T-Shirt – das war wohl der Grund, weshalb ich auch mit Vollgas in die Hürde reinrannte, statt über sie drüber zu springen. Aber der Teil, den ich geschluckt hatte, liess mich weitermachen; eine verpatzte Hürde kann jedem passieren, die zweite würde ich bestimmt tadellos packen. Ich war so zuversichtlich wie Melaine Walker, die Weltmeisterin über 400 m Hürden von 2009, verfing mich aber in der zweiten und verzettelte mich auch an der dritten Hürde – und landete mit einem komplett aufgeschürften und Knie und blutender Nase auf dem zweitletzten Platz.

Erzählt mir jetzt bloss nichts von Read-me-Files und Bedienungsanleitungen, denn a) habe ich keines von beidem und b) habe ich zu viel Fantasie für diese nichtssagenden Texte, die doch sowieso nur verwirren sollen. 90% einer Bedienungsanleitung kann auf mindestens drei Arten interpretiert werden, wie soll ich also wissen, welches die richtige ist?! Ich habe stattdessen die bessere Alternative gewählt und den Vorbesitzer kontaktiert, der gleichzeitig mein Helpdesk ist. Da mein Dad aber für die nächsten Wochen im Urlaub Veranda-Überdachungen baut, geht das momentan nur per SMS, was das Ganze nicht gerade erleichtert. Erschwerend kommt hinzu, dass mein Dad PC-User ist und sich mit Mac nicht auskennt. Nach etwa einem Dutzend SMS und keinem Schritt weiter meinte dieser dann, ich solle mich doch mal mit Apple kurzschliessen. Pah, als ob ich die fragen und mich so als Informatik-Depp outen würde! Niemals! Mein innerer Drang riet mir, das schwere Ding zu nehmen und vom Balkon zu werfen. Da ich den Drucker jedoch von meinem Dad habe, wäre das für die familiären Beziehungen nicht so gut. Ich habe mich stattdessen entschieden, das Ding als überdimensionierten Briefbeschwerer zu nutzen und diesen Post hier zu schreiben. Und wenn mal einer einbrechen oder mir sonstwie auf die Pelle rücken sollte, weiss ich, womit ich mich wehren kann.

Fazit: Als Hackerin bin ich gänzlich ungeeignet, denn entweder sprechen ich und Elektronikgeräte oder Netzwerke definitiv nicht dieselbe Sprache, oder meine Schwingungen verhaken sich irgendwie mit denen der Geräte, worauf diese vergessen, wozu sie eigentlich auf der Welt sind. Ich werde lieber nach einem anderen Traumjob Ausschau halten.

jobsuche oder: selbstverwirklichung (nicht ganz) leicht gemacht, teil 1

Das Leben ändert sich, Menschen auch – da bin ich keine Ausnahme. Da, ich habs schon wieder gemacht: Dummerweise ist meine zukünftige Agentin noch mit ihrer eigenen Karriere sowie der Rettung der Welt beschäftigt, da muss ich mich leider hinten anstellen. Damits trotzdem nicht langweilig wird, dachte ich, ich zieh mal kurz um und suche mir eine neue Beschäftigung – aber bitte einen Job und keine Arbeit. Und da ich schonmal dabei war, fing ich gleich mit der Suche nach einem Traumjob an, denn träumen soll ja erlaubt sein. Ein paar Kriterien sind da hilfreich, sonst sucht man ins Blaue und findet nicht mehr nach Hause (ausser die, die bereit sind, mit dem nächsten ADAC-Fachberater zu schlafen – fragt Mittermeier).
Also: Viel Geld bei wenig Arbeit ist wohl der Wunsch von uns allen, drum kommts gleich oben auf die Liste. Ja, Leute, ihr müsst hoch einsteigen; das Leben handelt euch schon wieder runter, macht euch da keine Sorgen. Dann wünsche ich mir möglichst viel Abwechslung, Herausforderung in einem gesunden Rahmen und wenns geht ein Job, der mich durch die Welt führt und mir neue, andere Kulturen, Landschaften, Völker und damit wohl auch ein paar Wahnsinnige zeigt. Wie gesagt, es soll ja nicht langweilig werden. Und das i-Tüpfelchen wäre, wenn ich gleichzeitig noch die Welt verbessern würde mit dem, was ich tue. Wie ihr seht, verlange ich also gar nicht so viel. Sehen wir doch mal, was da so in Frage käme:

Gärtnerin
Schon die 68er-Bewegung war der Meinung, die Welt würde durch Blumen besser – Flower Power oder: Alle Macht den Blumen! Die Vielfalt dieser schweigsamen Mitbewohner ist ja auch unglaublich; von kleinen blauen einheimischen Blümchen bis zu grossen, knallbunten exotischen Fleischfressern, von dezenten Gräsern bis zu opulenten Palmen, Bäumen und Buschwindröschen – es ist für jeden was dabei. Und wenn ich mich ein wenig geschickt anstellen und mich gut verkaufen würde, könnte ich sicher Einsätze in der ganzen Nation an Land ziehen. So würde ich, global gesehen, zumindest mal die Nachbarschaft kennen lernen. Allerdings wäre dafür ein gutes Navi vonnöten, wenn ich meine angeborene Orientierungslosigkeit bis dahin noch nicht gerade gebogen habe. Aber mit dem richtigen Dealer wäre das ja kein Problem. Also: Ein wenig Farbe im Leben schadet nicht, hebt die Laune und entflammt damit hoffentlich auch die Nächstenliebe in den Herzen der Leute. Damit wäre die Welt doch schon ein kleines Stück besser.

Da gibt es nur einen kleinen Haken, quasi schon fast nicht der Rede wert (aber ich quatsche halt so gern): Die Natur respektive Pflanzen werden bevorzugt von Insekten heimgesucht, z. B. Bienen, Wespen, Hummeln, fiese und dazu noch dumme Maikäfer, ganz zu schweigen von Libellen, Gottesanbeterinnen (von denen ich bis zu meiner ersten Begegnung dachte, es gäbe sie nicht in Europa), Faltern und was ich mir gerade sonst so nicht ausmalen mag. Das trifft sich irgendwie schlecht, denn ich habe eine über viele Jahre kultivierte Insektenphobie.
Manche Menschen bringen ihre Phobie zum Ausdruck, indem sie schreien wie am Spiess und wild mit den Armen fuchteln. Multitasker hüpfen dabei auch noch und kreischen zwischen den Schreien voller Inbrunst, dass da eine Spinne ist (wahlweise zu ersetzen durch Käfer, Biene, Viecher oder andere passende Bezeichnungen). Das ist natürlich ein grosser Pluspunkt für die Dramatik, legt man aber mehr Wert auf die Stilnote, ist das ein klares No-Go. Es hinterlässt beim aufmerksamen Beobachter einen schalen Beigeschmack von aufgescheuchtem Huhn gepaart mit Herzrasen und Tinnitus. Man outet sich also im Umkreis von 100 Metern als Weichei und treibt gleichzeitig seine Haftpflicht- oder Rechtsschutzprämie in die Höhe – je nachdem, ob die Umstehenden nur zum Arzt müssen, oder einen gleich verklagen wollen.

Ich bin da mehr der schweigsame Typ. Wer schon nicht von Natur aus das Charisma eines Sektenführers oder die Coolness von James Dean besitzt, sollte nicht noch lautstark auf seine Unzulänglichkeiten aufmerksam machen und so die letzte Chance auf Freunde vertun. Also bevorzuge ich, vor Angst und Panik zu erstarren und versuche krampfhaft, die Tränen zu unterdrücken, die die Phobie fieserweise hervorpresst. Denn eines weiss ich in diesen Momenten genau: Alle diese Viecher, von winzig klein bis unanständig gross, leben nur zu einem Zweck, nämlich um mich zu fressen. In dem Moment, in dem ich mit einem Insekt konfrontiert werde weiss ich, dass ich tot umfallen werde, sollte es mich berühren. Natürlich sehen das die meisten meiner Freunde nicht ein, versuchen mir einzureden, so eine Mini-Spinne oder ein hässlicher Käfer hätte viel mehr Angst vor mir als ich vor ihm. Aber ich lasse mir das nicht einreden – ist ja auch schwer zu glauben, wenn so eine Hornisse mit Vollgas mitten auf mein Gesicht zuhält und dazu auch noch einen aggressiven, zielstrebigen Gesichtsausdruck montiert hat. Würdet ihr das etwa auch behaupten, wenn das jemand mit Schlagring und Motorradkette wäre anstatt nem Maikäfer? Das nehm ich niemandem ab – ist doch auch nichts anderes als die Pfarrer früher, die der Bestrafung die beruhigende Info vorausschickten: „Das tut mir mehr weh als dir, mein Sohn!“ Also werden die vermeintlich gutgemeinten aber sehr unüberlegten Beruhigungen geistig unter den Teppich gekehrt und sich stattdessen darauf konzentriert, im Matrix-Style allem auszuweichen, was auf meinen Skalp aus ist. In solchen Momenten nehme ich meinen Eltern leicht übel, dass sie mich nicht mit vier Jahren in den Kung-Fu-Unterricht geschickt haben. Sonst wäre ich heute tadellos gegen die fliegenden, kriechenden, sechs- oder mehrbeinigen Killerschwadronen gewappnet, die die Natur auf mich hetzt.

Fazit: Pflänzchen hui, Viecher pfui – Gärtnerin eignet sich wohl nicht als mein Traumjob. Wenn ich schon buddle, möchte ich lieber auf Edelsteine oder Fossilien stossen statt auf eine Sippschaft Engerlinge, die mich fies anzwinkern und mich mit einem boo! in die Flucht schlagen. Wenn ich schon giesse oder über saftiggrüne Wiesen schwebe, möchte ich dabei nicht wild fuchteln müssen oder im Imkeranzug schwitzen, um mir Bienen und Wespen vom Leib zu halten. Das sähe, wie oben erwähnt, ziemlich dilettantisch aus und würde nie zu einem malerischen Motiv für einen jungen, aufstrebenden und nach seinem Tod international und durch alle Jahrzehnte berühmten Künstler. Oder habt ihr je von einem Bild gehört, dass der Maler „panisch fuchtelndes Mädchen in Blütenmeer“ nannte?

bad hair day oder: ich ziehe in die schlacht

Ich kann ja manchmal stur sein, das geb ich offen zu. Allerdings benötige ich diese Fähigkeit dringend, solange ich mir keinen Millimeter-Haarschnitt zulege. Denn eines ist klar: Ich bin zwar stur, aber meine Haare sind noch viel sturer – hardcore-stur sozusagen …

Als Kind hatte ich lange Haare, die höchstens eine leichte Welle hatten. Dennoch leisteten sie immer Folge, wenn ich etwas von ihnen wollte. Wenn zum Beispiel meine Mom bei festlichen Gelegenheiten mit dem Lockenstab antanzte oder Zöpfchen in die nassen Haare flocht. Blieben diese dann über Nacht drin, hielten das ewig und konnte nur noch mit viel Wasser und Shampoo wieder geplättet werden. Das war praktisch und machte mich glücklich, denn damals waren meine Haare und ich ein richtig gutes Team.

Seit Jahren trage ich sie jedoch kurz und auch das lief anfangs problemlos. Wenn zum ersten Mal 30-40 cm Haar fallen, ist das schon eine befreiende Sache, vor allem im Sommer. Im ersten Moment vielleicht etwas erschreckend, weil der Nacken plötzlich den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert ist oder auch verwirrend, weil man sich einbildet, der Kopf fühle sich plötzlich ein wenig leichter an, aber dennoch befreiend: 3-4 cm Haar muss nicht mehr ewig gefönt werden, hängt nicht ständig im Gesicht, wenn man sich nach vorne beugt und kringelt sich auch nicht bei schlechtem Wetter. Vorbei also die Zeiten, als sich die Haare auf Kinnhöhe vom dauernden Pferdeschwanz-Tragen oder Hinters-Ohr-Klemmen grosszügig nach oben bogen, was man immer im schon-fast-toten Augenwinkel sah und einen völlig irritierte.
Der Nachteil einer Kurzhaarfrisur ist jedoch, dass da kein Gewicht mehr ist, das die Haare nach unten zieht und so die Frisur im Zaum hält. Und ich glaube da fings an: Meine Haare entwickelten nicht nur ein Eigenleben, sondern auch einen ausgeprägten Unabhängigkeits- und Freiheitsdrang. Wären sie mir nicht am Kopf festgewachsen, würden sie vermutlich in einem Cabrio in der Gegend rumfahren, einen Typen erschiessen, beschliessen, nach Mexiko zu flüchten, von der Polizei gejagt werden und sich in einem stahlgrauen 66er Thunderbird in einen Canyon stürzen. Egal ob lang oder kurz, an manchen Tagen sind meine Haare so exzentrisch, dass „sich frisieren“ gleichbedeutend ist mit „in die Schlacht ziehen“.

Da ich nicht zum Clan der Coiffeusen, Styling-Expertinnen oder Tussen gehöre, beschränkten sich meine Waffen lange Zeit auf Wasser, Kamm und Haargel. Ein normaler Tag begann früher so: Aufstehen und sich beim Gang ins Bad fragen, in welche Richtung die Haare heute stehen würden. Wetten abschliessen wollte ich zwar, hätte aber nicht viel gebracht, da ich ja an mich selbst hätte auszahlen müssen (blöd, denn ich hab meistens dummerweise gerade kein Geld bei mir). Beim ersten Blick in den Spiegel erschien vor meinem geistigen Auge schon die erste Gewitterwolke über meinem Haupt, aber ich bin ja kein Schnell-Aufgeber. Also erstmal Hände nass machen und die Haare mit freundlichem Nachdruck dazu überreden versuchen, sich so zu legen und zu stellen, wie ich das gerne hätte. Dann warten und zusehen, wie sich die Strähne langsam wieder in die Ausgangsposition biegt. In der zweiten Runde etwas Haargel dazunehmen, in der dritten Runde noch etwas mehr (während ein Auge von der Anspannung schon leicht zuckt) und in der vierten feststellen, dass zu viel Haargel nun die Haare verklebt und sie sich unter dem Gewicht des Gels zu sehr biegen, was quasi eine Delle in der Kontur der Wuschelfrisur hinterlässt und bescheuert aussieht. Und lasst euch an dieser Stelle sagen: Es ist egal, ob sich euer Gel Bedhead, Ultra Strong, Wet Gel oder doch Hausmarke von Boots schreit – es nützt alles gleich viel; nämlich nichts. Die Haare machen, was sie wollen (vermutlich weil sie genauso Morgenmuffel sind wie wir auch). Anyway, dies wäre nun der passende Moment für Verfluchungen und Drohungen. Lasst euch Zeit, versuchts mit mehr Fummeln, Wasser, Stütz- und Trocknungsaktionen und wichtig: Jetzt bloss nicht die Wut verlieren – sture Boshaftigkeit bringt euch auch ans Ziel. Denn wenn auch nur eine kleine Lücke in eurem Panzer ist, verliert ihr. Das endet dann in Tränen, Resignation und der Akzeptanz, dass die Haare nochmal unterm Wasserhahn durchnässt und komplett von vorn frisiert werden müssen. Und das wollen wir doch alle nicht, denn die Zeit drängt, schliesslich stehen wir nicht aus Langeweile oder Schlaflosigkeit frühmorgens vorm Spiegel. Zeitmangel verbunden mit Kapitulation sind auch die Ursachen, wenn ich mich mal mit einer Frisur auf die Strasse wage, die aussieht, als hätte ein Vogel versucht, auf meinem Kopf ein Nest zu bauen. Oder als hätte ich in einer Ritterrüstung geschlafen. Oder als wäre meine Stylistin hauptberuflich Kammerjägerin …

Tja, und meine neueste Frisur machts mir auch nicht leichter. Ich musste nämlich feststellen, dass meine Haare neuerdings ab einer Länge von ca. 7 cm wellen. Wieso? Fragt nicht mich, ist mir genauso schleierhaft … Ich musste sogar aufmunitionieren und mein Waffensortiment erweitern: Bürste, Haarschaum, Haarspray und ein Föhn zähle ich nun zu meinen wichtigsten Besitztümern. Glätteisen, Lockenstab, Rundbürsten, Klammern und Spezialwerkzeuge jeder Art habe ich mir aber bis jetzt aus Gründen des Selbstschutzes nicht zugelegt. Die meisten Unfälle passieren schliesslich im Haushalt und da will ich nicht dazugehören. Aber ich schweife schon wieder ab. Kennt sonst noch jemand das Phänomen, dass sich seine Haare so verkringeln, dass sie etwa auf Wangenhöhe einen Bogen nach oben schlagen, sich dann 90° nach Links biegen und an der Spitze in einem engen Bogen nach vorn oder wieder gen Boden streben? Wisst ihr wie irritierend es ist, ständig im Augenwinkel die Spitze einer Haarsträhne zu sehen, aber nicht den Rest? Sehr irritierend, kann ich euch versichern. Da fummelt man den ganzen Tag dran rum und versucht sie zu plätten. Haare waschen und trocknen lassen geht also gar nicht mehr, morgens mit Wasser oder Gel nachfrisieren wenn ich mit nassen Haaren Schlafen ging sowieso nicht. Ich mach also die Haare am Morgen gleich ganz nass und föhne dann, teilweise mit wachsender Aggressivität, so lange, bis entweder die Haare in etwa so liegen, wie ich das gern hätte oder bis die Haut blasen wirft und mein Hirn anfängt zu brutzeln. Können eigentlich Haare schmelzen? So eine Plastikfrisur wie ein Playmobil-Männchen wäre toll – da würden nämlich die Haare auch nicht revolutionieren, nur weils ein wenig regnet. Wenn Quantenphysiker, Evolutionsbiologen oder Schweisser unter uns sind, die mir diese Frage beantworten können, schreibt mir bitte unter Chiffre HAARDIKTATUR – merssi.

Und wer sich jetzt fragt, wieso ich mich damit herumschlage, statt die Haare ganz kurz zu schneiden, dem sei gesagt: Wenn die Haare richtig liegen steht mir die Frisur sehr gut und ausserdem hätte ich sonst nichts zu meckern. : P

die sendung mit der maus

„Scheisse, ich seh Geister!“, dachte sichs und kontrollierte die Weihwasservorräte, den Knoblauch und sicherheitshalber den Baseballschläger. Vorhanden war natürlich nichts davon (oder ginge Knoblauchpulver auch?), deshalb wars mir auch ein wenig mulmig, als ich mich aufs Sofa pflanzte. Und auch die Geräusche in der Wand konnten mich nicht von meiner Überzeugung abbringen – ich kann eben sehr stur sein.

Stutzig wurde ich erst ein paar Tage später, als der Inhalt einer Tasche in eine andere umziehen sollte. Ich also husch alles rübergeschaufelt – wer braucht schon Ordnung, purzelt ja eh nach 5 Minuten alles durcheinander – und die leere Tasche abgestellt. Ich hab mich schon weggedreht, als das wichtigste Bild jenes Morgens sich nach vorne gekämpft hatte, um von innen an meine Stirn zu hämmern und „Hey Tottsch!“ zu rufen. Bei so viel Subtilität dreh sogar ich mich am Morgen nochmal um und kontrollier die Tasche, und siehe da; auf der Seite ist ein Loch, bei dem locker mein Finger durchpasst! Es hätte sogar mein grosser Zeh durchgepasst, aber da ich die Socken schon anhatte und immer noch spät dran war, liess ich die Überprüfung dieser These bleiben. Jedenfalls fällt mir erst dann auf, dass an der Stelle, wo die Tasche vorher auf dem Boden stand, kleine Taschen-Stoff-Fetzchen liegen, die rausgeknabbert wurden. Dazu sagen möcht ich noch, dass die Taschen aus dickem Nylonstoff ist – trotzdem war ich der Meinung, dass sich Geister nicht für Taschen interessieren, es deswegen also doch eine Maus sein musste … Von der war momentan natürlich keine Spur und ich war schon fast ausm Haus, als mir einfiel, woher das grosse Interesse einer kleinen Maus an meiner Tasche rühren dürfte. Also nochmals umkehren, Tasche schnappen und den Salsiz in der Plastiktüte entdecken – verdammt! Ich hatte doch glatt vergessen, den am Vorabend im Kühlschrank zu verstauen. Wer mich kennt weiss, dass mir augenblicklich zum heulen zu Mute war. Alles hätte sie sich schnappen können; Mostbröckli, Filet, Kobe Beef – aber doch nicht meinen Salsiz! Naja, ich hab ihn trotzdem im Kühlschrank deponiert und bin arbeiten gegangen.

Ein paar Tage später waren auch die in der ganzen Wohnung verteilten Mäuseköttel die Bestätigung, dass meine Einschätzung der Lage korrekt gewesen war – so viel kann doch eine Maus in einer Nacht gar nicht essen! Ich hab mich deswegen aber nicht gleich bei der CIA um eine Scharfschützenausbildung beworben, sondern mich lieber um eine Lebendfalle gekümmert. Die Maus taufte ich in Abwesenheit Pablo und bestückte dann natürlich umgehend mit einem angefressenen Stück Salsiz die Lebendfalle. Meine Arbeitskollegen hielten mich nicht für voll und prophezeiten, dass ich mit der Lebendfalle garantiert nichts fangen würde, die Mäuse würden mich nur auslachen bei dem Anblick. Und tatsächlich schien sich nichts zu tun, obwohl ich schwören könnte, dass ich das Stück Salsiz mit Schale reingepfriemelt hatte. Aber so schnell kapituliere ich nicht, hab kurzerhand auf Nussschokolade umgestellt und prompt sass am nächsten Morgen ein kleines Büschel Fell in der Falle (So ein Zwerg kann doch wirklich nicht so viel Dreck machen!). Rund um die Mausefalle lagen mindestens 30 Schokostreusel, die sich dann nach Einsetzen der Kontaktlinsen als Mäuseköttel herausstellten. Das hat mir dann doch etwas zu denken gegeben, denn mir kamen auf Anhieb nur zwei Möglichkeiten in den Sinn:

  1. Die Maus hatte realisiert, dass sie gefangen war und wollte sich rächen, indem sie einen Haufen in der Falle anlegte und den dann mit den Hinterläufen im Rasensprengerprinzip rundherum verteilte
  2. In meiner Wohnung und den Wänden war nicht nur eine Maus, sondern gleich eine ganze Sippe und die versammelten sich als Kriegsrat um die Falle zum Brainstorming, wie sie den gefallenen Bruder befreien könnten – und weil das einen schonmal nervös machen kann, lagen da die ganzen Schokostreusel rum

Ich hab also für meine pessimistischen Arbeitskollegen Beweisfotos gemacht und Pablo am Abend wieder ausgesetzt. Nein, natürlich nicht vor der Wohnung, sondern 2km entfernt in einem Miniwäldchen. Irgendwie fand ichs schade, war Pablo doch total putzig und ich hätte ihn gern in meiner warmen Wohnung überwintert. Allerdings beisst sich das mit meiner Überzeugung, keine Tiere einzusperren und so liess ich Pablo ziehen. Beim Wegfahren kam dann plötzlich der mulmige Gedanke: Was ist, wenn Pablo in der Nähe meiner Wohnung einen Wintervorrat angelegt und den jetzt verloren hat? Ich hab ihm im Stillen ein kurzes Sorry nachgerufen und viel Glück gewünscht. Zu Hause hab ich ganz optimistisch die Mausefalle im Putzschrank verstaut und die Sache abgehakt. Bis … ein paar Tage später die zweite Maus durch mein Wohnzimmer trippelte. Pablo traute sich erst nach Mitternacht raus, diese aber schon um 22 Uhr! Das fand ich dann doch etwas dreist, was sich auch im Namen für diese zweite Maus widerspiegelt, ich taufte sie nämlich „Du Sau!“. Ich also vorm Schlafengehn wieder die Mausefalle raus und Schokolade rein. Du Sau! war ebenfalls eine Zuckerschnute und am nächsten Morgen eine mit ziemlich kleiner Behausung dazu. Also zum zweiten Mal die Mausefalle ins Auto (Mäuse werden übrigens beim Autofahren ganz ruhig) und losgetuckert. Bevor die Tierschützer unter euch jetzt böse Leserbriefe schreiben wollen, möcht ich noch anmerken, dass ich sogar die Lüftung und die Musik ausgemacht und den Mäusen beruhigend zugeredet habe. Ich dachte Pablo könnte etwas Gesellschaft brauchen und hab Du Sau! deshalb am gleichen Ort ausgesetzt. Vielleicht wäre es ja einfacher, zu zweit Strategien für die Wintervorräte zu erarbeiten.

Zu Hause hab ich die Mausefalle wieder im Putzschrank verstaut, diesmal aber nicht mehr optimistisch, sondern nur noch vorsichtig hoffend, ich würde sie nicht mehr benötigen. War natürlich nix. Die dritte Maus trippelte sogar schon um 17 Uhr Nachmittags der Wohnzimmerwand entlang. Da drauf hatte ich langsam keine Lust mehr, drum hab ich in einem Akt der Rebellion dieser Maus keinen Namen gegeben. Naja, den Rest des Spiels kennt ihr ja schon: rein ins Auto, raus ausm Auto, rein ins Wäldchen, ich nach Hause und die Mausefalle schonmal in der Küchenecke deponiert, jetzt komplett ohne Optimismus oder Hoffnung. Als ich dann eines Nachts nach Hause gekommen bin und mich nach einem spassigen aber auch recht kurzschläfrigen (das Wort gibts gar nicht, oder?) Guggen-Übungswochenende in mein Bett mümmeln wollte, musste ich dann auch prompt auf meinem Kopfkissen Mäuseköttel vorfinden. Es gibt Schöneres, als um 22.30 Uhr die Bettwäsche zu wechseln, aber das musste dann doch sein. Nach zwei Tagen war aber auch die Ära meiner vierten Maus vorbei und sie mit ihrer Sippe im Wäldchen wiedervereint.

Sicher meinen ein paar von euch, dass ich viermal dieselbe Maus gefangen hab, aber nach diesem Intensivkurs in Mäuse-Psychologie und -Verhaltensforschung kann ich euch versichern, dass dem nicht so ist. Das waren vier winzige und putzige Individuen mit einer eigenständigen, ausgewachsenen Persönlichkeit: Vom scheuen Reh bis zum Draufgänger war alles dabei. Und deshalb bin ich auch so froh, dass nach einer Woche alles vorbei und alle am Leben waren – die zehn Stutz waren wirklich gut investiert. Wenn jemand mir dafür einen Pokal basteln und zuschicken möchte, geht das unter Chiffre_HELDIN … aber bitte nichts mit aufgeklebten Makkaroni.

lost in space oder: iq – kann ich das essen?

Hm … ich bin gerade so lost, dass ich nicht einmal weiss, wie ich diesen Post am besten beginne …

Ich hatte immer schon den Verdacht, dass meine Mitmenschen mir manchmal mehr zutrauen, als ich wirklich kann. Nicht, dass mich jetzt einer falsch versteht: Wenn sichs nicht gerade um Neurochirurgie, Klempnerei oder Anlagestrategien handelt, habe ich keine Angst davor, mich an etwas Neues zu wagen. Vorzugsweise mit der Hilfe von erfahreneren Leuten, die mir einen Crashkurs verpassen, aber wenn gerade alle Pause machen – was solls, solange ich mit einem einfachen Click nicht die ganze Welt zum Einsturz bringe, lass es uns versuchen! Und so habe ich mich auch ans Bloggen gemacht. Ich arbeite in meinem Job auch mit Computern, im Internet war ich auch schonmal – war ganz nett, hat auch nicht geregnet, nur die Sprache war nicht immer ganz verständlich – was sollte also schiefgehen? Trial and error, let’s go.

Die Anmeldung war baby-einfach – tatsächlich war das schwierigste daran, einen Benutzer zu finden, der nicht schon vergeben war. Ursprünglich wollte ich ja bruce the moose, aber der Benutzer existierte schon, obwohl ich ihn auf WordPress nicht finden konnte – aber lustigerweise kann ich mich selbst (deathlovescurry) auch nur selten finden. Und hier sind wir schon beim Problem: Ich habe nicht den blassesten Schimmer, ob ich eine falsche Einstellung gemacht habe (nicht, dass ich haufenweise lustige Einstellungen gemacht hätte) oder ob das Murphy’s Law ist. Alles, was über das Anwenden der üblichen datenverarbeitenden Programme plus das einfache Handhaben einiger grafischer Programme hinausgeht, ist für mich ein Mysterium. Dazu gehört jegliches Programmieren und Einrichten von Websiten und ähnlichen Dingen oder auch nur das Verstehen selbiger. Wenn ich versuche, mich darüber zu informieren passiert dasselbe, was bei der Wettervorhersage im Fernsehen passiert: Mein Gehirn verzieht sich in eine andere Richtung oder spielt wie Homer’s einen simplen Cartoon ab. Ich habe schon alles versucht, aber irgendwie hab ich die Wettervorhersage nie mitbekommen, auch wenn ich zwei Meter vorm Fernseher sass.

Vielleicht fehlt mir eine Synapse oder ein Kabel wurde nicht richtig angeschlossen, jedenfalls höre ich nicht mehr als ein Besetztzeichen, wenn ich mich mit sowas befasse. Ganz so einfach gebe ich allerdings nicht auf – solange ich nicht (Alptraum!) ellenlange und nichtssagend-komplizierte Bedienungsanleitungen lesen muss *schauder*. Aber jetzt ist es auf einmal nötig – Hilfe! Von Anfang an: Innerhalb von ein paar Sekunden hat man sich also auf WordPress registriert und obwohl ich keine Mühe mit Englisch habe, wählte ich sicherheitshalber die Korrespondenz in Deutsch – der technischen Ausdrücke wegen. Lustigerweise wurde aber nicht alles ins Deutsche übersetzt, sodass ich teilweise keine Ahnung habe, wovon die hier eigentlich sprechen. Vor allem aber auch wegen der sehr knappen Erklärungen zu einigen (for want of a better word) Worten.

Anfangs hat mich das natürlich gar nicht interessiert, war ich doch zu beschäftigt mit meinem neuen Blog an sich. Ich hatte mich vorher kaum mit Blogs beschäftigt, noch nicht mal welche gelesen. Und jetzt hatte ich selbst einen, so ganz zum Füllen und drin Rumwurschteln und Freudehaben – wie aufregend! Der nächste Gedanke galt mir: Habe ich überhaupt genug zu sagen um einen Blog zu rechtfertigen? Wird das überhaupt jemand lesen? Mir schwirren zwar ständig Gedanken im Kopf rum, von denen ich im ersten Moment denke sie seien ausbaufähig und klar, ich hatte die Registrierung meines Blogs damit begründet, dass ich nichts zu sagen hätte, das aber genausogut in ein paar hundert Worten machen könne und mich mit dieser Einstellung in bester Gesellschaft befinden würde (Wie viel kleiner wäre das World Wide Web ohne Menschen wie uns? *zwinker*). Aber dann hats doch jemand gelesen (wozu hat man Freunde?) und ich hab weitergemacht und mich versucht, mit den ganzen Einstellungen, Themes, Widgets, Akismets, Menüs und weiss der Teufel was noch auseinanderzusetzen mit dem Resultat: Testbild. Weisses Rauschen. Schon wieder das Besetztzeichen. Piep. Also hab ich ein wenig ausprobiert, geraten, gehofft ich würds nie brauchen, das Ganze wieder bleibenlassen. Und wieder drüber nachgedacht weil ichs hasse, so gar keine Ahnung zu haben, wie die ganze Geschichte hier eigentlich funktioniert.

Aber wirklich weiter als am Anfang bin ich nicht, das eine oder andere habe ich herausgefunden, aber die Idee hinter dem Ganzen wollte sich mir noch nicht zeigen. Nun ist es so, dass ich ziemlich gut im Um-den-Brei-Rumreden bin oder einfach viel zu sagen habe zu einem Thema – meine Posts sind immer zwischen 700-1100 Worte lang. Wenn jetzt alle diese Posts am Stück auf meiner Seite aufgeführt werden, scrollt sich ein potentieller Besucher zu Tode. Nun kann ich beim Erstellen des Posts einen Auszug definieren, der in wenigen Sätzen die Idee bzw. das Thema des Artikels erläutern soll. Das ist eine feine Sache und ich fänds wahnsinnig toll, wenn die Übersicht meiner Posts nur in Form der Auszüge passieren würde. Aber das tut sie nicht, zwei Stunden hab ich in den Einstellungen und allen anderen möglichen Menüpunkten gesucht, das Forum durchforstet (Hat noch jemand das Problem nie zu wissen, wie er seine Frage formulieren soll?) und das Orakel von Delphi um Hilfe gebeten. Aber ich glaube man hat mich nicht gehört, hier in Andalusien …

Das Forum ist grundsätzlich eine hilfreiche Sache, es gibt sogar einen Read-me-first-Eintrag der den ahnungslosen, nach Erleuchtung suchenden Blogger instruiert, erstmal nachzusehen, bevor er eine Frage postet, die vor ihm ein Dutzend andere gestellt haben. Und wenn sein Problem noch nicht diskutiert wurde, soll er doch bitte so gut sein und sich überlegt ausdrücken, da man ihm sonst nicht helfen kann.
Also hab ich auch dort gesucht, aber nichts Hilfreiches gefunden. Aus Angst, mich zum Idioten zu machen und die allwissenden Götter des Forums zu erzürnen, hab ich einen Eintrag bleiben lassen. Stattdessen werde ich bei nächster Gelegenheit nachsehen, ob ein anderes Theme (die Darstellung des Blogs) vielleicht meine Wünsche erfüllen kann und wenn nicht werde ich einfach weitermachen, als wäre nichts gewesen … Vielleicht merkt ja keiner, dass ich lost in space bin. *g*

huelga general del 29-S

1. Book a trip from Màlaga to Madrid by train (september 27-29) for three people.
2. Book a hotel in Madrid for three people.
3. Wait for Spain to announce a general strike on september 29.
4. One week before the strike, try to cancel the train tickets.
5. Because that clueless guy on the phone can’t tell you anything, drive up to Màlaga train station.
6. Get one of those tickets and wait until your number is shown on the display.
7. When your number is shown, walk up to the information desk to be told that you need to go to the office on the left (from your point of view).
8. Ask the girl in the office to cancel your tickets.
9. Aks the girl in the office if there is any possibility other than only getting 50% off the tickets for the 27th.
10. Astonished, explain the girl in the office that the general strike is not your fault – on the contrary, you wished there wasn’t anyone up for a strike.
11. Listen to the girl telling you that it isn’t her fault either and that if you travelled back on the 30th there were still tickets for 80 Euros per person (instead of the 35 Euros per person that you paid for the tickets on the 29th).
12. Ask the girl why you can’t get all of your money for both ways because you bought return tickets back then.
13. Wait until her colleague who seems to have more sympathy with you has discussed the matter with the girl treating your case. Then, wait some more until she phoned up someone else, probably the property manager or the wheather forecast.
14. Finally, set for the cancellation because you lose less money than any other way.
15. Draw another ticket with another number, but this time walk up to the ticket sales window.
16. Get a receipt for the cancellation and go home (raging, in my sister’s case).
17. Hope that you will be paid back your money.
18. Still one week before your trip, try to cancel the hotel.
19. Rage some more because it is not possible.

… and that is Spanish customer service for you!

Well, what can I say? Not everywhere in the world is like home. We might not always like our home country, but we certainly had enough time to get used to its pros an contras …

… and out of the chaos a voice spoke to me: “Smile and be happy, it could be worse.” – And I smiled and was happy … and it got worse.
In my life there were many occasions when I would have liked to rage and rampage, but I didn’t because in Switzerland it is considered impolite. *g*
On the other hand, in Switzerland customers usually complain with all their might and certainly with great enthusiasm, which apparently isn’t considered impolite as long as they aren’t on the receiving side. Crivens, couldn’t anyone have told me before?! Now I missed an opportunity to behave like a real Swiss! In fact, I might just go and chain myself to a bicycle stand or even a lamp post to call the world’s attention to this injustice. Yes, that’s what I shall do, and since we’re currently in Spain my sister can do the translating and my mom is always my first choice for the catering. You didn’t really think I was gonna go for a hunger strike, did you? So watch out for the latest news and if I should be put away please send a bunch of former navy seals in a helicopter to get me out. I would show my gratefulness by mentioning you in my autobiography (yet to be written).